Mitarbeiter richtig motivieren

Mitarbeiter richtig motivieren

Richtige Mitarbeitermotivation will gelernt sein. Man kann Mitarbeiter mit finanziellen Belohnungen zu Leistungen motivieren, doch funktioniert das auch auf Dauer? Ist Lob in jedem Fall ein gutes Mittel der Wahl? Und welche Rolle spielt der Chef dabei? Wir erklären, wie Sie Ihre Mitarbeiter wirklich motivieren können und räumen mit einigen „Motivationsmythen“ auf.

Kann man Mitarbeiter mit Geld motivieren?

Vor allem im politischen Sprech hört man oft den Satz: „Leistung muss sich lohnen“. Das ist natürlich völlig richtig. Falsch ist jedoch die Annahme, dass „lohnenswerte“ Arbeit in erster Linie mit Geld gleichzusetzen ist. Fragt man Menschen, was sie in ihrem Beruf tatsächlich antreibt, dann zeigt sich, dass nicht die Bezahlung die wichtigste Rolle spielt. Das Gehalt findet sich erst auf dem dritten Platz der Motivatoren wieder, wie eine Studie der Beratungsgesellschaft Hay Group feststellt. Wichtiger als Geld sind den meisten Menschen weiche Faktoren wie ein kollegiales Arbeitsklima und eine erfüllende Tätigkeit.

Den Autoren der Studie zufolge muss eine Gehaltserhöhung schon „massiv überdurchschnittlich“ ausfallen, damit ein Motivationseffekt spürbar wird. Mit ein paar mehr Euros auf dem Konto der Mitarbeiter ist es also bei weitem nicht getan. Etwas anders sieht es mit Boni-Zahlungen aus. Solche variablen Aufschläge zum Fixgehalt können tatsächlich motivieren, allerdings nur, wenn sie in „einem transparenten System durch eigene Leistung“ beeinflusst werden können, wie die Autoren hervorheben. Hier kommt es auf das richtige Maß an. Besteht das Gehalt zu mehr als einem Drittel aus variablen Anteilen, fühlen sich Mitarbeiter schnell unter Druck gesetzt – und der gewünschte Motivationseffekt ist dahin.

Motivationsfaktor Führungsstil

„Mitarbeiter kommen wegen des Jobs – und gehen wegen des Chefs.“ In diesem alten Personalerwitz steckt leider viel Wahrheit. Der Engagement-Index 2015 von Gallup hat jüngst untermauert, dass emotional nicht gebundene Mitarbeiter am häufigsten wegen ihres Vorgesetzten einen Jobwechsel erwägen. Ein Viertel aller Befragten hat aus diesem Grund sogar schon seinen Arbeitsplatz gewechselt.

Woran liegt’s? Untersuchungen zufolge ist vor allem ein schlechter Führungsstil Schuld. In vielen Unternehmen herrscht immer noch ein traditioneller direkter Führungsstil vor. Das heißt: Der Chef gibt die Anweisungen und die Mitarbeiter haben dem uneingeschränkt zu folgen. Insbesondere bei Absolventen und Young Professionals schlägt dieser autoritäre Umgang auf die Motivation, da er jeglichen Spielraum für Kreativität und Eigeninitiative killt. Um Motivation zu fördern, sollte daher ein Mix aus unterschiedlichen Führungsstilen angewendet werden – je nach Situation mal dialogbereit, mal durchsetzungsstark – aber in jedem Fall kommunikativ. Ein guter Chef sollte ein echter Teil des Teams sein und die Bedürfnisse, Ideen und Fragen seiner Kollegen ernst nehmen.

Motivationsfaktor Lob

Es ist kein Geheimnis, dass Lob die Motivation hebt. Jeder Mensch möchte schließlich für seine Arbeit wertgeschätzt werden. Hier kommt es jedoch entscheidend darauf an, wie und wann gelobt wird. Zunächst einmal sollte Lob dosiert eingesetzt werden. Wer ohne Anlass ständig überschwängliches Schulterklopfen bekommt, wird das irgendwann nicht mehr ernst nehmen. Echtes Lob ist spontane Wertschätzung einer konkreten Leistung oder eines Erfolgs. Das kann persönlich erfolgen, durch einen kurzen Anruf zwischendurch oder in Form eines kleinen Zettels auf dem Schreibtisch des Kollegen – wichtig ist, es muss glaubwürdig sein. Im Übrigen muss Lob nicht immer nur vom Chef kommen. In einer lebendigen Unternehmenskultur können lobende Worte auch von Kollegen oder Kunden kommen.

Darüber hinaus gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Lob und Anerkennung, der vielen Führungskräften nicht klar ist. Im Gegensatz zum Lob drückt sich Anerkennung nicht in einer einzelnen, konkreten Situation aus sondern zielt auf das Gesamtverhalten den Mitarbeitern gegenüber. Anerkennung kann aus Lob bestehen, aber auch etwa aus konstruktivem Feedback, Zielsetzungen und Meilensteinen bei der Arbeit, Übertragung von Verantwortung sowie einer generellen Wertschätzung der Mitarbeiter als wichtigem Teil des Unternehmens. Lob ist also nur ein Motivator von vielen, wichtig ist, dass Mitarbeiter hinter allem eine ehrliche Anerkennung spüren.

Motivationsfaktor Emotion

Das Jobportal „Karrierebibel“ hat vor einiger Zeit seine Twitter-Follower den Satz „Spaß im Job beginnt dann, wenn….“ vervollständigen lassen. Eine Antwort, die sinngemäß von vielen Usern kam, lautete „… wenn man auch mit dem Herzen dabei ist“. Darin drückt sich einer der wichtigsten Motivatoren von allen aus: die emotionelle Bindung von Mitarbeitern zu ihrer Arbeit und zum Unternehmen, oder auf Personalerdeutsch, das Mitarbeiterengagement.

Um sich emotional mit dem Unternehmen verbunden zu fühlen, geht es ganz konkret um Gefühle, wie die Führungsexpertin Sabine Hockling bei „Zeit Online“ schreibt: Es geht um das Gefühl, dass Mitarbeiter das tun, was sie am besten können; um das Gefühl, dass die eigenen Ziele mit denen des Unternehmens übereinstimmen; um das Gefühl, dass sich jeder Einzelne weiterentwickeln kann und seine Fortschritte auch vom Chef gesehen werden; um das Gefühl, vom direkten Vorgesetzten als Mensch gesehen werden, dessen Meinung im Unternehmen zählt.

Kurzum, es geht um das Gefühl, dass man nicht nur Dienst nach Vorschrift tut – wie es leider die meisten an ihrem Arbeitsplatz wahrnehmen. Vielmehr geht es um Freude, Herausforderung und Weiterentwicklungschancen bei der Arbeit. Dafür müssen Unternehmen entsprechende Voraussetzungen schaffen. Hierbei können neben den genannten noch Dutzende weitere Faktoren eine Rolle spielen. Um den besten Weg für sich zu finden, reicht eine simple Frage an die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus: Was motiviert euch persönlich für eure Arbeit? Damit ist der erste Schritt in Richtung Mitarbeitermotivation bereits getan.

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