No Gos beim Bewerbungsgespräch – Was Personaler wissen müssen

Nachdem wir vor 2 Wochen die Do’s aus unserer Studie: „Vorstellungsgespräche aus Bewerbersicht“ vorgestellt haben, soll es diese Woche um die No Go’s bei Bewerbungsgesprächen gehen. Wir haben aus den gewonnen Daten die größten Aufreger von Kandidaten gesammelt und zeigen auf, wie sie ihr Vorstellungsgespräch besser nicht gestalten sollten, um kein negatives Bewerbungserlebnis beim Kandidaten zu erzeugen.

No Go's beim Bewerbungsgespräch

Negative Erlebnisse beim Bewerbungsgespräch

Auf die Frage: „Was ist Ihnen von Ihrem letzten Bewerbungsgespräch besonders negativ in Erinnerung geblieben?“ fielen 473 Kommentare, die vor allem mit einer schlechten Gesprächsatmosphäre und mangelnder Wertschätzung gegenüber den Kandidaten zu tun haben. Viele Kandidaten berichten von einer „Verhöratmosphäre“, einer „herablassenden Art“ der Gesprächspartner und dass die Gespräche nicht auf Augenhöhe stattfanden. Auch die Pünktlichkeit ließ bei vielen Gesprächen seitens des Unternehmens zu wünschen übrig. Denn die Gesprächspartner ließen die Kandidaten teilweise bis zu 45 Minuten auf ihr Bewerbungsgespräch warten.

Getränkeangebot beim Vorstellungsgespräch – So besser nicht

Dass man beim Jobinterview dem Bewerber ein Getränk anbietet, sollte selbstverständlich sein. Überraschenderweise berichten zahlreiche Umfrage-Teilnehmer von der fehlenden Höflichkeit der Unternehmen, die im Bewerbungsgespräch oftmals keine Getränke angeboten bekommen haben. Und dass trotz teilweise heißer Temperaturen von 30 Grad und mehr. Andere berichten wiederum, dass es zwar ein Getränkeangebot gab, doch leider nicht das gleiche wie für den Personalchef. Ein Bewerber bekam Wasser, der Personaler eine Cola.

„Mir bot man ein stilles Wasser an, der Personalchef nahm sich eine Coke. Es war ein sehr heißer Tag und ich fragte mich, ob dahinter irgendeine Taktik sei.“

Vorbereitung aufs Bewerbungsgespräch – Fehlanzeige!

Wenn Sie die Suchkombination „Bewerber Vorbereitung Vorstellungsgespräch“ bei Google eingeben, bekommen sie 400 Treffer angezeigt. Alle Quellen empfehlen dem Kandidaten sich gewissenhaft auf ein Bewerbungsgespräch vorzubereiten. Doch genau dasselbe sollte auch für Sie als Unternehmen gelten. Leider stießen viele der befragten Bewerber anscheinend auf Arbeitgeber, die so gut wie keine Kenntnis ihres Lebenslaufs hatten und schlecht auf das Gespräch vorbereitet waren. Und das kommt bei keinem Bewerber gut an!

„Ich musste auf viel aus meinem Lebenslauf hinweisen, der war offensichtlich nicht gut gelesen worden.“

Fragen, die Personaler nicht stellen sollten

Neben Unpünktlichkeit und mangelnder Vorbereitung, sollte man ebenfalls vermeiden die ganze Zeit gelangweilt in die Luft zu starren oder als Ansprechpartner des Kandidaten während des Gesprächs den Raum zu verlassen, um zu telefonieren. Auch mangelnder Augenkontakt und fehlende Zeit um eigene Fragen ans Unternehmen zu richten, bewerteten die Befragten als sehr negativ. Ebenfalls ein oft genannter Minuspunkt waren die bohrenden Fragen der Personaler. Viele Bewerber konnten bei diesen kaum noch einen Zusammenhang zum Gesprächshintergrund ausmachen und empfanden sie als „zu privat“ oder als künstlich und in die Enge treibend.

„Auseinandernehmen meiner Person, fast ausgezogen mit Fragen.“

Informationen, die im Vorstellungsgespräch fehlen

Ein weiterer Kritikpunkt waren die oftmals fehlenden Informationen zur Stelle. Häufig wurden für die Bewerber wichtige Themen, wie Arbeitsinhalte oder Gehalt, gar nicht besprochen. Dabei sind genaue Angaben zu den Aufgaben und was den Bewerber im Arbeitsalltag erwartet, wichtige Entscheidungskriterien. Denn wer möchte schon gern nach ein paar Wochen die Kündigung des grade eingestellten Bewerbers auf dem Tisch liegen haben, weil er sich das alles ganz anders vorgestellt hat.

„Der Informationswert bezüglich der Tätigkeit war nicht ausreichend.“

Erwartungen der Bewerber an Unternehmen

Mit den Erwartungen der Kandidaten sollte man lieber nicht spielen. Einige Unternehmen haben in ihren Vorstellungsgesprächen Dinge versprochen, die sie im Nachhinein nicht hielten. Dadurch entstand bei vielen Bewerbern der Eindruck, dass ihnen kein „reiner Wein“ eingeschenkt wurde, was unweigerlich zu Enttäuschung und geringer Bindung an das Unternehmen führt. Jobmarketing sollten Unternehmen daher nicht mit dem Verkauf um jeden Preis verwechseln. Eine aufrichtige, vertrauensvolle Kommunikation wissen Kandidaten weit mehr zu schätzen.

„Leider wurden die besprochenen Inhalte des Bewerbungsgesprächs nicht in die Tat umgesetzt, was auch der Grund ist, warum ich mich beruflich ich neu orientieren möchte.“

Fehlendes Feedback nach dem Vorstellungsgespräch

Ein Fehler, den leider immer noch viele Unternehmen machen ist fehlendes oder sehr verspätetes Feedback nach dem Bewerbungsgespräch. Für die Unternehmen ist es oftmals ein unangenehmes Thema, aber für die Kandidaten sehr frustrierend tagelang auf eine Antwort zu warten. Viele würde sich zumindest überhaupt eine Rückmeldung vom Unternehmen wünschen.

„Rückmeldung erfolgt nicht wie besprochen. Auf Mail keine Antwort – erst nach Anruf beim Personaler gab es eine Aussage.“

Die 10 No Gos beim Bewerbungsgespräch für Kandidaten

  • Zu lange Dauer des Bewerbungsprozesses bis zur Einladung
  • Unpünktlichkeit der Interviewpartner
  • Fehlende Bewirtung oder Unterschiede im Getränkeangebot zwischen sich und dem Bewerber machen
  • Unangenehme Gesprächsatmosphäre (regelrechtes Verhören des Kandidaten)
  • Geringe Wertschätzung gegenüber dem Bewerber
  • Bohrende, unangenehme Fragen
  • Mangelnde Vorbereitung (kein Lesen des Lebenslaufs des Kandidaten)
  • Keine genauen Informationen über Arbeitsinhalte und Gehalt geben
  • Falsche Erwartungen schüren und gemachte Versprechen nicht halten (z. B. über Gehalt, Aufgabenbereich etc.)
  • Verspätetes oder gar kein Feedback nach dem Vorstellungsgespräch geben

Was ist Bewerbern wichtig?

Fakt ist, dass Unternehmen oftmals gute Kandidaten durch die Lappen gehen, weil allein die Dauer des Bewerbungsprozesses für viele Bewerber zu lang ist. Außerdem fehlt es an der Konsistenz in der Rückmeldung, wodurch das Arbeitgeberimage leiden kann. Kandidaten wollen im Vorstellungsgespräch kein Inquisitionstribunal, sondern ein informatives Gespräch auf Augenhöhe. Viel zu oft treffen Kandidaten allerdings noch auf Arroganz, mangelnde Informationen und fragwürdige Gesprächsmethoden. Das Jobmarketing kann also durchaus noch verbessert werden.

 

Wie sie das Bewerbungserlebnis der Kandidaten deutlich erhöhen können Sie in unserem letzten Blog Post zum Thema „Was wollen Kandidaten?“ nachlesen.

Wollen sie mehr erfahren? Die komplette Studie: „Vorstellungsgespräche aus Bewerbersicht“ und viele weitere Studien finden Sie auf unserer Studien-Seite von softgarden.



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