Was macht gute Recruitingvideos aus?

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Recruitingvideos gelten als Königsklasse des HR Marketing – oder als die schlimmste Ausgeburt übereifriger Personalmarketer, je nachdem, wen man fragt.

Die Idee hinter Recruitingfilmen ist nachvollziehbar: Sie sollen einen authentischen Einblick in das rekrutierende Unternehmen bieten und Kandidaten die Bewerbung schmackhaft machen. In der Realität erreichen dieses Ziel jedoch nur die wenigsten Recruitingvideos. Wir werfen einen Blick auf die schlimme Recruitingvideo-Verfehlungen und die Grundregeln für erfolgreiches Recruiting per Video.

In den letzten Wochen hat das Recruitingvideo eines Personaldienstleisters viel Aufmerksamkeit erregt. Darin werden gängige Klischees, auf die man in Recruitingvideos immer wieder trifft, überspitzt und somit ironisch hinterfragt. Man kann davon halten, was man will (ich finde die Idee gut, die Ausführung aber leider eher langweilig und viel zu wenig gewagt), zumindest wird sich über diesen Kritikpunkt niemand streiten: die im Video kritisierten Klischees und Allgemeinplätze trifft man noch viel zu häufig in Recruitingvideos an.

Aber wie macht man es besser?

Recruitingvideos müssen authent… gähn.

Unternehmen, die ohne externe Hilfe Recruitingvideos umsetzen, haben zumindest in einem Punkt nichts vom Publikum zu befürchten: Die absolute Authentizität eines intern produzierten Videos kann man nicht fälschen. Allerdings ist Authentizität nicht alles, sondern eigentlich eher… nichts.

Dass keiner es glaubt, wenn Models davon erzählen, wie toll die Arbeit im Unternehmen ist, überrascht nicht. Natürlich muss das Unternehmensvideo authentisch gestaltet sein und darf keine Schauspieler enthalten. Aber seien wir mal ehrlich: Wie viel Authentizität kann man von einem Video erwarten, dass von einer professionellen Agentur mit optimaler Beleuchtung und vorbereiteten Talking Points für die interviewten Mitarbeiter umgesetzt wird? Ein gewisses Maß an Künstlichkeit im Künstlerischen ist zu erwarten.

Es gibt ja auch Extremfälle an Authentizität, z. B. die von Praktikanten umgesetzten Recruitingvideos von Edeka und BMW. Diese punkten zwar damit, dass sie von den Mitarbeitern des jeweiligen Unternehmens konzipiert und umgesetzt wurden, das ist aber auch schon das einzige, was für sie spricht. Also: Unternehmen, die professionell aussehende Recruitingvideos umsetzen möchten, sollten schon mit Profis zusammenarbeiten. Zumindest in Sachen Bildqualität und Produktionswert ist so ein gewisser Qualitätsstandard gesichert.

Es gehört aber noch mehr dazu, als einfach nur eine Agentur zu beauftragen und denen die gesamte Konzeption und Umsetzung des Videos zu überlassen. Denn letztlich sollen Ihre Unternehmenswerte transportiert werden – und wer kennt die besser als Sie selbst?

Grundlagen für erfolgreiche Recruitingvideos

1) Storytelling: Erzählen Sie eine Geschichte! Ein Recruitingvideo ist nur dann erfolgreich, wenn es emotional anspricht und berührt. Um das zu erreichen, muss mehr geleistet werden als nur den Arbeitsplatz abzufilmen: Haben Sie eine Mission, ein Ziel? Gab es in der Unternehmensgeschichte einschneidende Erlebnisse? Machen Sie Ihr Unternehmen erlebbar, indem Sie individuelle Geschichten aufzeigen statt nur das große Ganze zu kommunizieren.

2) Darsteller: Natürlich verzichten Sie auf Schauspieler (siehe Authentizität), aber dennoch muss eine Auswahl getroffen werden bezüglich der Entscheidung, welche Mitarbeiter vor die Kamera treten sollen. Dabei geht es nicht um Aussehen, sondern (siehe Punkt 1) Emotionen. Wählen Sie Mitarbeiter, die sich vor der Kamera natürlich bewegen und ausdrücken und die Begeisterung für Ihr Unternehmen transportieren können.

3) Seriosität: Nehmen Sie sich bei all dem nicht zu ernst. Natürlich sollen Ihre Unternehmenswerte transportiert werden, aber Arbeitnehmer evaluieren viele Faktoren, wenn sie sich für eine neue Herausforderung entscheiden. Einer der wichtigsten Faktoren: Spaß an der Arbeit. Also: Zeigen Sie, dass Sie Spaß verstehen und es schätzen, wenn Ihre Mitarbeiter morgens gern ins Büro kommen. Dieser Punkt gehört zu den am schwierigsten umzusetzenden, denn Humor ist bekanntlich Geschmackssache. Aber Sie wollen ja eh nur Mitarbeiter, die ins Unternehmen passen – die sollten dann schon Ihre Form des Humors verstehen – Twitter hat das gut vorgemacht.

Viele der hier genannten Punkte werden mit der Unterstützung der beauftragten Agentur umgesetzt. Dennoch sollten Sie als Auftraggeber bereits im Vorfeld klare Vorgaben zu den jeweiligen Punkten entwickeln. Fast so anspruchsvoll wie das Drehen eines Recruitingfilms ist nämlich das Anleiten einer Recruitingfilm-Agentur.

Warum sehen alle Recruitingvideos gleich aus?

Die Problematik ist folgende: Wenn das Unternehmen nicht klar die Anforderungen an das Video sowie die eigene Unternehmenskultur kommuniziert, so bleibt einer Agentur oft nichts anderes übrig, als auf Schema F zurückzugreifen. Dann sieht man die immer gleichen Glasfassaden, Farne und mit grauem Teppich ausgelegten Flure im Hintergrund und den interviewten Mitarbeitern fällt nichts anderes ein, als ganz allgemein „die nette Arbeitsatmosphäre“ zu loben. Unternehmen, die mithilfe von Recruitingvideos ihre Arbeitgebermarke stärken und ihre Individualität herausstellen wollen, sind in der Pflicht, der Agentur diese zu verdeutlichen. Nur so entstehen Videos in einem einzigartigen „Look & Feel“, die die Atmosphäre und Unternehmenskultur des Auftraggebers widerspiegeln.

Wenn das Recruitingvideo fertig ist…

…zeigen Sie es der Welt! Teilen Sie es über Ihre Social-Media-Kanäle, binden Sie es prominent platziert auf Ihrer Karriereseite ein und platzieren Sie es in Ihren Stellenanzeigen – einen solchen Service bietet z. B. Monster seit längerem an. Bitten Sie auch Ihre Mitarbeiter, das Video zu verbreiten – eine praktische Möglichkeit, Mitarbeiter als Markenbotschafter in die Employer-Branding-Strategie einzubinden.

Gute Recruitingvideos sind selten, doch sie existieren – und bieten eine gute Möglichkeit, den zukünftigen Arbeitsplatz greifbar zu machen und Kandidaten zu überzeugen, sich zu bewerben. Für die erfolgreiche Umsetzung von Recruitingvideos kann allerdings nur empfohlen werden, mit dem Dreh Agenturen zu beauftragen statt diese ohne externe Hilfe umzusetzen. Neben grundsätzlichen Faktoren wie der Organisation der benötigten Kamera- und Lichtausrüstung spielen auch die Erstellung des Storyboards sowie die Anleitung der Mitarbeiter vor der Kamera eine große Rolle. Das entbindet jedoch Personalabteilungen nicht von der Verantwortung für das Ergebnis: Werden Agenturen nicht richtig gesteuert und mit relevanten Informationen versorgt, so wird das fertige Recruitingvideo kaum überzeugen, sondern im schlimmsten Fall nichtssagend, langweilig und generisch sein.

 

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Kommentare

Eine Antwort auf “Was macht gute Recruitingvideos aus?”

  1. Das Beispiel Recruiting Video ist tatsächlich meiner Meinung nach echt gut. Hat mir wirklich Spaß gemacht es anzusehen.
    Leider ist sowas noch die Ausnahme und steife „Image Videos“ sorgen einfach nur für trockenes Desinteresse beim Zuschauer – geht mir jedenfalls so wenn ich mal über ein gähnend langweiliges Unternehmensvideo stolpere.

    Auch wirklich nett zu sehen sind kreative Videos vom Unternehmen, die neben der Darstellung des Angebots auch positive Emotionen zum Unternehmen wecken und dessen Image deutlich darstellen – wie das Video auf – http://wistia.com/

    Da gibt es definitiv noch ganz viel Luft nach oben.

    Viele Grüße

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